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Podiumsgespräch

Ein Hamburger Zweig der Weißen Rose?

Für Zivilcourage und mutiges Aufbegehren gegen die NS-Diktatur steht bis heute die Weiße Rose. Die studentische Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl, Christoph Probst, Willi Graf, Alexander Schmorell und Ihren Professor Kurt Huber verbreitete in München ab Juni 1942 selbstverfasste Flugblätter, nannte darin die Verbrechen des Regimes beim Namen und rief die Bevölkerung zum Widerstand auf.

Nur wenig bekannt ist, dass der Widerstand der Weißen Rose bis nach Hamburg reichte. Studenten, Intellektuelle, Künstler und Ärzte griffen hier in lose verflochtenen Freundeskreisen die Münchner Ideen und Aktionen auf. Verband die Hamburger Zirkel anfangs vor allem das Interesse an Kunst und Literatur, so einte sie zunehmend auch die Ablehnung von Unterdrückung und Gewaltherrschaft durch die Nazis. Traute Lafrenz, Mitglied in einem dieser Hamburger Zirkel, lernte während ihres Studiums in München den Kreis um die Geschwister Scholl kennen und brachte Flugblätter der Weißen Rose nach Hamburg. Dort wurden sie weiter verbreitet, u.a. von Heinz Kucharchski und Margaretha Rothe, ehemaligen Klassenkameraden an der Hamburger Lichtwarkschule (heute: Heinrich-Hertz-Gymnasium).

Nach der spektakulären Flugblattverteilung im Lichthof der Münchner Universität im Februar 1943 wurden in den folgenden Monaten rund 60 Mitglieder der Weißen Rose verhaftet, darunter allein 30 in Hamburg. Auch hier wurden sie drakonisch bestraft. Acht Personen der Hamburger Kreise überlebten die Haftzeit nicht.

Über Wirken und Selbstverständnis dieses bis heute weitgehend unbekannten Teils Hamburger Widerstandsgeschichte sprechen im KörberForum Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Fischer-Appelt, ehemaliger Präsident der Universität Hamburg, Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Angela Bottin, Ausstellungsmacherin. Es moderiert Martin Doerry, stellvertretender Chefredakteur des SPIEGEL.

Das Podiumsgespräch bildet den Auftakt zur Veranstaltungsreihe »Hamburg und die Weiße Rose«, mit der im Frühjahr 2011 ein breites Bündnis in der Stadt diesen Teil Hamburger Widerstandsgeschichte stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücken möchte.

Die Hamburgerin Traute Lafrenz mit Hans Scholl<BR>(Foto: Privatbesitz / Seybold Film)
Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst am Münchner Ostbahnhof im Juli 1942<BR>(Foto: SZ Photo / Geschwister-Scholl-Archiv)
Im Gedenken an die Weiße Rose<BR>(Foto: SZ Photo / Egginger)
Schulklasse der Regimekritikerin Erna Stahl mit späteren Mitgliedern der Hamburger Weißen Rose<BR>(Foto: Seybold Film)
Angela Bottin (Foto: privat)
Dr. Detlef Garbe<BR>(Foto: privat)
Dr. Martin Doerry, stellvertretender Chefredakteur des SPIEGEL<BR>(Foto: SPIEGEL Verlag)

Informationen

Montag, 31.01.2011 | 19.00 Uhr
KörberForum
Kehrwieder 12
20457 Hamburg

Infos zum Veranstaltungsort

Sie erreichen das KörberForum mit der U3, Station Baumwall (Fußweg ca. 3 Minuten).

Kostenpflichtige Parkplätze finden Sie in der Straße Kehrwieder hinter der Schranke.

Informationen zu rollstuhlgerechtem Zugang
unter 040 · 80 81 92 - 0.

Gemeinnützige Körber-Stiftung

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