Gespräch

Elektrisch lesen

Seit der Einführung der Druckerpresse hat kaum eine technische Neuerung die Buchwelt so in Aufregung versetzt wie das E-Book. Sind E-Books nur neue Trägermedien für den guten alten Inhalt oder revolutionieren sie das Lesen?
Laut Unesco-Definition sind Bücher nicht-periodische Publikationen mit 49 Seiten oder mehr – so festgeschrieben 1964. Da war die Buchwelt noch in Ordnung: Ein Buch wurde auf notwendig auf Papier gedruckt und über den Buchhandel verkauft. Doch wenn der Druck entfällt, ist dann das elektronische Buch überhaupt noch ein Buch? Und wenn nicht, was ist es dann? In den Verlagen steigt die Nervosität: Wer seinen Printbestand auch als E-Book zugänglich macht, hofft – bisher noch zuweilen vergeblich – auf zusätzliche Umsätze; wer sich auf die gedruckten Werke beschränkt, fürchtet, den Anschluss an ein neues Medium (und damit vielleicht auch an ganze Zielgruppen) zu verpassen. Die buchhändlerischen Branchenblätter sind voller Artikel zum Thema E-Book, aber auch die Feuilletons der großen Tageszeitungen widmen sich dem elektronischen Buch, dessen wirtschaftliche Bedeutung für den gesamten Buchmarkt bisher marginal ist: Der Marktanteil liegt bei unter einem Prozent. Gerade einmal 450.000 Lesegeräte wurden bisher in ganz Deutschland verkauft – wenn auch mit steigender Tendenz. Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins rief am 14. März 2011 »die Stunde Null des E-Books« aus. Der Boom kann kommen.

Wenn er denn kommt. Natürlich wünscht sich nicht jeder den Siegeszug eines neuen digitalen Mediums herbei. »Elektrisch lesen« will nicht noch einmal das Hohelied des schönen Buches singen: Menschen, die am aufwendig gedruckten und gebundenen Buch, an gutem Papier, Hand schmeichelnden Formaten und ausgewählten Bezugsmaterialien hängen, wird es sicher noch lange geben. Doch die Erfahrung zeigt, dass die Bibliophilen unter den Lesern die Minderheit bilden. Für alle anderen stellt sich die Frage: Welche Vorteile hat das digitale gegenüber dem gedruckten Buch? Was kann das elektronische Buch, was das gedruckte nicht kann (und was kann es, umgekehrt, auch nicht)? Welche Veränderungen wird das Lektüreverhalten durch die technischen Möglichkeiten des E-Books erfahren? Beeinflusst die Digitalisierung vielleicht sogar die gesamte Kulturtechnik Lesen, wie denn ja immer wieder mal verkündet wird, der Umgang mit elektronischen Medien werde Teile unseres Gehirns umstrukturieren. Aber auch ganz praktisch: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den diversen Readern und Formaten? Wieso kostet ein elektronisches Buch annährend genauso viel wie ein gedrucktes? Und wozu brauchen wir in Zukunft noch Verlage und Buchhandlungen?

Über Theorie und Praxis des elektronischen Buches diskutiert Christoph Bungartz, NDR, mit seinen Gästen: Johannes Haupt, der unter www.lesen.net und www.e-reader-forum.de Informationen und Diskussionen rund ums E-Book anbietet, Jürgen Neffe, der mit seinem Libroid ein innovatives Lesemedium konzipiert hat, und Kathrin Passig, die sich als Autorin und Journalistin mit kulturtheoretischen und -kritischen Fragen auseinandersetzt.

Foto: Till Jacket / Photononstop
Johannes Haupt<BR>(Foto: privat)
Jürgen Neffe<BR>(Foto: privat)
Kathrin Passig<BR>(Foto: Jann Wilken)
Christoph Bungartz<BR>(Foto: Jann Wilken)

Informationen

Mittwoch, 25.05.2011 | 20.00 Uhr
KörberForum
Kehrwieder 12
20457 Hamburg

Infos zum Veranstaltungsort

Sie erreichen das KörberForum mit der U3, Station Baumwall (Fußweg ca. 3 Minuten).

Kostenpflichtige Parkplätze finden Sie in der Straße Kehrwieder hinter der Schranke.

Informationen zu rollstuhlgerechtem Zugang
unter 040 · 80 81 92 - 0.

Gemeinnützige Körber-Stiftung