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Podiumsdiskussion

Verstehste?

»Verstehste?«, haken wir nach, wenn wir uns unserer Sache nicht ganz sicher sind, oder auch vorsichtiger: »Ich weiß ja nicht, ob du mich verstanden hast«. Sprache dient der Verständigung. Über Inhalte, aber auch – und hier beginnt es schon, strittig zu werden – über Zugehörigkeiten. Wenn wir miteinander reden, geht es nicht nur um den Austausch von Informationen, sondern auch um soziale Interaktion. Im Sprechen erklären wir uns selbst, geben uns zu erkennen, ordnen uns in Gesellschaft und Geschichte ein. Wer einmal gehört hat, mit wieviel Behagen, Menschen, die nach Hause kommen, in ihren Dialekt verfallen, weiß, dass Sprache Heimat schafft. Und wer Jugendlichen zuhört, versteht oft nur die Hälfte – und soll das auch, denn sie sprechen ihre eigene Sprache.

Wenn es also mal so einfach wär, mit dem Verstehen. Denn natürlich missverstehen wir uns ständig, reden aneinander vorbei – und manchmal auch an der Sache. Warum ist es eigentlich so schwierig, sich verständlich zu machen? Wieso haben wir gleich ein Bild zu dem Ruf »Ist rot!«, verzweifeln aber fast über der einfachen Frage: »Was denkst du gerade?« Kann Sprache überhaupt Realität abbilden? Oder gibt es immer eine Kluft zwischen dem Wort und der Welt, wie die Sprachkritik von jeher mutmaßt?

Dabei wandelt sich die Sprache ständig, passt sich in Wortschatz und Grammatik neuen Gegebenheiten an, nutzt die Spielräume zwischen dem regelgerechten »richtigen und guten Deutsch« der Lehrbücher und der mehr oder weniger verschliffenen »Umgangssprache«. Man kann sagen: Sie entwickelt sich weiter. Andere sehen das mit sprachpflegerischen Argwohn und wittern im Wandel vor allem den Verfall. Und nicht zuletzt ist Sprache auch ein kreatives Instrument, künstlerisches Ausdrucksmittel – sie nutzt das Außergewöhnliche, die Verfremdung, um ein Verstehen jenseits des reinen Wortsinns in Gang zu setzen.

Über Sprachwandel und -bewahrung, über Kunst und Kiezdeutsch spricht Christoph Bungartz, NDR Fernsehen, mit seinen Gästen: mit dem Lyriker und Spoken-Word-Perfomer Bas Böttcher, mit Annette Trabold vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und mit der Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese, deren Forschungen über das Kiezdeutsch als neuem Dialekt für Furore gesorgt haben.

Christoph Bungartz<br />(Foto: Körber-Stiftung /<br />Jann Wilken)
Bas Böttcher<br />(Foto: Miriam Kyselo)
Annette Trabold<br />(Foto: privat)
Heike Wiese<br />(Foto: Steffi Loos)

Informationen

Dienstag, 05.06.2012 | 20.00 Uhr
KörberForum
Kehrwieder 12
20457 Hamburg

Infos zum Veranstaltungsort

Sie erreichen das KörberForum mit der U3, Station Baumwall (Fußweg ca. 3 Minuten).

Kostenpflichtige Parkplätze finden Sie in der Straße Kehrwieder hinter der Schranke.

Informationen zu rollstuhlgerechtem Zugang
unter 040 · 80 81 92 - 0.

Gemeinnützige Körber-Stiftung

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