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Was steckt hinter Chinas neuer »Seidenstraße«?

Die Entwicklung einer neuen »Seidenstraße« ist Teil der »Belt and Road«-Initiative des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Die Hamburger Körber-Runde zur Internationalen Politik diskutierte, ob dies ein Win-Win-Projekt für alle Beteiligten ist oder doch eher ein geopolitisches Instrument Chinas, um den eurasischen Raum zu dominieren.

Mit seiner »Belt and Road«-Initiative entwickelt die chinesische Regierung seit 2013 eine Strategie, in Regionen wie Europa, Asien und Afrika Infrastruktur zu entwickeln und dort zu investieren. China hat dabei mehr als 68 Länder im Blick, wodurch 65 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind. Gefördert werden Bildung, das Schienen- und Straßennetz, Automobilindustrie, der Energie- und Stahlsektor und es werden Immobilien erworben. Zu dieser Strategie gehört auch der Ausbau einer neuen »Seidenstraße« für den Güterverkehr zwischen China, Asien sowie Zentral- und Osteuropa. Diese Investitions-Offensive gehört zu den größten in der Geschichte. Doch welche Chancen und Risiken gibt es dabei für Deutschland und Europa?

Darüber diskutierten in der ersten Hamburger Körber-Runde zur Internationalen Politik im Jahr 2019  Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft und designierter Präsident des Kieler Institutes für Weltwirtschaft (ifW) auf Einladung von Staatsrätin Annette Tabbara und Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, im Gästehaus des Senats mit ausgewählten Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien.

Gabriel Felbermayr stellte zunächst Eckdaten und Zahlen der neuen »Seidenstraße« vor und zog eine Zwischenbilanz. Das schiere Volumen der Initiative von 1.000 Milliarden US-Dollar ist bei vielen Politikern und Experten in Europa Grund für Sorge und Skepsis, was die Motive Chinas angeht. Mitunter wird sogar die drohende Kolonialisierung Osteuropas befürchtet. Andererseits bietet die »Belt and Road«-Initiative für viele Länder der Region beim Ausbau von Infrastruktur und Handel auch interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Im Zuge von sinkenden chinesischen Direktinvestitionen im Ausland und einer restriktiveren Kreditvergabe Pekings hat allerdings die Dynamik der Initiative in letzter Zeit spürbar nachgelassen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die hohen chinesischen Leistungsbilanzüberschüsse der Vergangenheit von einer ausgeglichenen Leistungsbilanz abgelöst wurden. Ein weiterer, dass die chinesischen Devisenreserven in den letzten Jahren deutlich um etwa ein Viertel gesunken sind. 

Die Teilnehmer waren sich einig, dass sich Deutschland und die EU in Zukunft stärker in den Ländern Eurasiens engagieren sollten, um ihre eigenen Interessen zu wahren. Zum Beispiel könnten die Beziehungen zwischen der EU und der von Russland angeführten Eurasischen Wirtschaftsunion deutlich intensiviert werden. Die Hamburger Körber-Runde zur internationalen Politik bietet ausgewählten Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien einen Raum zum informellen Austausch und wird in loser Folge fortgesetzt. 


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