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    Was würde ein US-Präsident Joe Biden für die Europäische Union bedeuten?

    Der Trump-Konkurrent plant im Fall eines Sieges den Schulterschluss mit verbündeten Demokratien. Doch davon muss er nicht nur seine Landsleute überzeugen, sondern auch die Europäer. Nora Müller und Felicitas von Loë haben in einem Gastbeitrag für ZEIT ONLINE die geplante Demokratieoffensive Bidens beleuchtet.

    Sollte Joe Biden am 20. Januar 2021 ins Weiße Haus einziehen, dann stünde er vor einem gewaltigen außenpolitischen Scherbenhaufen: Unter Donald Trump hat die Glaubwürdigkeit der USA als Schutzmacht der liberalen Weltordnung, Verteidigerin von Demokratie und Menschenrechten und verlässliche Bündnispartnerin schweren, vielleicht irreparablen Schaden genommen. Der Demokrat würde von seinem Amtsvorgänger eine Weltlage übernehmen, die so chaotisch und gefährlich ist wie selten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: eskalierende Großmachtrivalitäten, bröckelnder Multilateralismus, Autokratien auf dem Vormarsch.

    In seinem außenpolitischen Manifest Why America Must Lead Again mahnt Biden, heute sei die Demokratie stärker gefährdet als jemals zuvor seit den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Innern geschwächt und von außen unter Druck, befindet sich die »freie Welt« aus Sicht des ehemaligen Vizepräsidenten in einem neuerlichen Systemwettbewerb mit Autokratien wie China und Russland.

    Und so zielt Bidens außenpolitisches Restaurationsprogramm zuallererst auf die demokratische Erneuerung zu Hause. Dahinter steht der Gedanke, dass alle Angriffe auf die Verfahren und Institutionen der amerikanischen Demokratie auch Amerikas Ansehen in der Welt und damit seine Handlungsfähigkeit als (Führungs-)Macht beschädigen. »Du kannst keine 'leuchtende Stadt auf dem Hügel' sein, wenn deine Stadt beschmutzt ist«, so ein ehemaliger Biden-Mitarbeiter.

    Anders als Präsident Trump, der Amerikas demokratische Verbündete mit Vorliebe vor den Kopf stößt und eine verstörende Sympathie für Autokraten unterschiedlicher Provenienz hegt, will Biden den Schulterschluss mit den alliierten Demokratien erneuern, um gemeinsam die großen Herausforderungen der Gegenwart anzugehen – mit den USA »an der Stirnseite des Tisches«, versteht sich.

    Dies ist ein Auszug aus einem Artikel für ZEIT ONLINE, den gesamten Artikel finden Sie hier.

    Nora Müller leitet den Bereich Internationale Politik der Körber-Stiftung, Felicitas von Loë ist dort als Programmmanagerin tätig.


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