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Zugabe-Preis
  • Ursula Lehr (Foto: Frederika Hoffmann)
  • Wandplakette im Haus im Park der Körber-Stiftung
  • - Meldung

    Wegbereiterin für ein neues Altersbild

    Sie hat als Wissenschaftlerin die Gerontologie wesentlich geprägt, war Bundesfamilienministerin, Vorsitzende der BAGSO – und hat in den 1970er Jahren Kurt A. Körber bei der Entstehung des Haus im Park beraten. Am 5. Juni feiert Ursula Lehr, die Grande Dame der Altersforschung, ihren 90. Geburtstag. Die Körber-Stiftung gratuliert herzlich!

    »Pro-Aging« statt »Anti-Aging«

    Immer wenn Ursula Lehr in der Körber-Stiftung zu Gast ist, begleitet sie die öffentlichen Veranstaltungen oder Fachtagungen nicht nur mit viel Expertise, sondern auch Witz. Auf einem Podium zur Zukunft des Alters 2010 befand die Gerontologin, »Anti-Aging« suggeriere etwas Negatives. Sie plädierte für »Pro-Aging«. Auch »Ruhestand«, erklärte sie damals verschmitzt, sei ein hässliches Wort. »Nur Ruhe-Liegen ist schlimmer!«

    Im Haus im Park, dem Begegnungszentrum der Körber-Stiftung für die älteren Generationen, prüft Ursula Lehr bei Besuchen gern lächelnd, aber streng, ob auch überall Barrierefreiheit eingehalten wird. Zu diesem Haus hat sie ein besonderes Verhältnis: Mit ihrem Plädoyer für eine kompetenzorientierte Sicht auf Alter beim 43. Bergedorfer Gesprächskreis von 1972 – Titel: »Wo bleiben die alten Menschen in der Leistungsgesellschaft?« – überzeugte sie den Stiftungsgründer Kurt Körber derart, dass der gleich ein konkretes Projekt ins Leben rufen wollte.

    Ein Haus für die Generationen 50 plus

    Als Körber dann zwischen 1973 und 1977 Experten damit beauftragte, eine Institution für zeitgemäße Seniorenarbeit zu entwickeln, war Ursula Lehr als Beraterin dabei. Einrichtungen in Dänemark, Schweden, England, Holland, Israel und der Schweiz standen schließlich Pate für das Begegnungshaus und Stadtteilzentrum der Körber-Stiftung, das 1977 in Hamburg-Bergedorf eröffnet wurde. Wenn das Haus im Park bis heute den Generationen 50 plus umfassende Angebote zur Begegnung und gesellschaftlichen Teilhabe macht – von Bildung über Bewegung zu Engagement und Kultur – dann geht das auch auf Ursula Lehrs frühes Eintreten für differenzierte Altersbilder und mehrgleisige Seniorenarbeit zurück.

    Wegbereiterin der Altersforschung und Seniorenpolitik

    Als studierte Psychologin war Ursula Lehr seit 1969 als Uniprofessorin aktiv, an den Unis Köln, Bonn und Heidelberg. Dort wurde sie 1986 auf den ersten deutschen Lehrstuhl für Gerontologie berufen. Sie stellte die Leistungsfähigkeit Älterer in den Mittelpunkt der Altersforschung, schon früh plädierte sie für flexible Altersgrenzen, forschte zu Entwicklungsprozessen des Alters und dem Altersbild. 1995 wurde Ursula Lehr Gründungsdirektorin des Deutschen Zentrums für Alternsforschung und 2009 bis 2015 war sie Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Die Gerontologin hat aber auch politische Karriere gemacht: Von 1988 bis 1991 war Ursula Lehr als Familienministerin Mitglied der Bundesregierung und sorgte dafür, dass auch Seniorenpolitik stärker in den Blick geriet, u.a. durch die Initiierung des 1. Altenberichts der Bundesregierung.

    Den Jahren Leben geben, nicht nur dem Leben Jahre

    Bis heute ist Ursula Lehr in vielen Gremien aktiv und als Altersexpertin gefragt – »Ruhe-Liegen« ist auch zum 90. Geburtstag nicht vorgesehen. Den begeht Ursula Lehr am 5. Juni 2020. Als Motto hat sie kürzlich einer Tageszeitung auf den Weg gegeben, dass es nicht darauf ankomme, wie alt man werde, sondern wie man alt werde: »Es gilt, dem Leben nicht nur Jahre zu geben, sondern den Jahren Leben zu geben.« Auch Kurt Körber hat dieses Zitat gern genutzt. Es hängt als Plakette bis heute im Haus im Park, als Ausdruck dafür, das Alter weise und humorvoll wertzuschätzen. In diesem Sinne: Alles Gute zum 90sten, Ursula Lehr!

     


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