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Zugabe-Preis
  • Dr. Bernhard Krahl, Gründer des innovativen Ambulanticums (Foto: Ambulanticum/Agnes Taschka)
  • Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung (Foto: Holger Gross)
  • - Meldung

    Perspektivwechsel für ältere Kranke gefordert: Reha ist so wichtig wie Prävention

    Die Diagnose »Pflege bis zum Tod« darf es nicht geben, fordern im Gespräch unisono der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus und der Zugabe-Preisträger der Körber-Stiftung Bernhard Krahl.

    Im Vordergrund müsse immer die Wiederherstellung von Selbstständigkeit und würdevollem Leben stehen, unabhängig vom Alter des Menschen. Eine Diagnose als in Stein gemeißelt betrachten und einen Patienten aufgeben – keine Option für die beiden Therapie- und Pflegeexperten.

    Bernhard Krahl wurde 2020 mit dem Zugabe-Preis der Körber-Stiftung als sozialer Unternehmer 60plus ausgezeichnet – für die Gründung des innovativen Therapiezentrums Ambulanticum in Herdecke. Geprägt vom eigenen therapeutischen Leidensweg nach Herz- und Hirninfarkten setzt Krahl in seiner einzigartigen Einrichtung auf modernste Therapien und stellt ausschließlich das Patientenwohl in den Vordergrund. Die wichtige Phase der Anschlussrehabilitation nach einer Akutbehandlung soll im Ambulanticum individuell, schnell und mit dem Ziel erfolgen, dass die Patientinnen und Patienten wieder selbstständig am Leben teilhaben können – und nicht vom Krankenhaus in die Langzeitpflege entlassen werden.

    Politische Unterstützung für den Zugabe-Preisträger

    Höchsten Respekt zollt Andreas Westerfellhaus, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, dem Zugabe-Preisträger. »Solche Pioniere brauchen wir.« Krahls Arbeit hält er für »ermutigend und begeisternd«, sie brauche jede politische Unterstützung. Westerfellhaus sieht wie Krahl, dass sich die passende Therapie unmittelbar an die Akutbehandlung anschließen muss. Rehabilitation sei bis ins hohe Alter von gleicher Bedeutung wie die Prävention. Schon als Präsident des Deutschen Pflegerates hat er sich dabei für interprofessionelle Zusammenarbeit eingesetzt – und jetzt, im Rang eines Staatssekretärs im Bundesgesundheitsministerium, arbeitet er ebenfalls für eine bessere Verzahnung von Medizin, Therapie und Pflege. Westerfellhaus verweist auf den 2020 begonnenen Strategieprozess für die »Neujustierung der Gesundheitsberufe«.

    Der Pflegebevollmächtigte hält das Ambulanticum, das von der Hochschule für Gesundheit evaluiert wurde, für unbedingt multiplizierbar und er dankt der Körber-Stiftung dafür, Krahls Arbeit anzuerkennen und sichtbar zu machen. Die Kosten für Therapien wie im Ambulanticum müsse man immer in der Gesamtbetrachtung bewerten – Ökonomie sei dabei das Zweite. Der Outcome zähle: Wird ein »menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben« erreicht?

    Selbstständiges Leben im Alter muss die Leitlinie sein

    Mit diesen Begriffen ist die Diskussion schnell beim selbstbestimmten Leben im Alter. Es soll nicht nur die Leitlinie von Behandlung und Therapie aller Älteren sein, sondern Westerfellhaus teilt mit Krahl auch eine potenzial- statt defizitorientierte Sicht auf Alter. Weil die Ressourcen, Erfahrungen und Kompetenzen der Älteren so wertvoll seien, bedauert er, dass ältere Menschen in der Terminologie der Coronapandemie nur noch als unterstützungsbedürftig gelten.

    Für ein ganz anderes Bild vom Alter steht Bernhard Krahl selbst. Für ihn ist der Ruhestand nicht die Phase, in der »ich nur noch konsumiere oder luxuriere«. Statt als Rentner sein »Leben in die Ecke zu stellen«, hat er sich mit Herzblut, Kampfgeist und sogar eigenen Geldmitteln für sein Sozialunternehmen engagiert. Es ihm trotz möglicher Rückschläge nachzutun, empfiehlt er auch anderen, denn: »In jedem Menschen steckt ein kleiner Unternehmer.«

    Dr. Bernhard Krahl und Andreas Westerfellhaus trafen in der Reihe »StartUp 50plus« am 3. Februar 2021 im virtuellen KörberForum aufeinander. Ihr Gespräch moderierte Susanne Schäfer, brandeins.

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