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    Startup 50plus: Bildungsstifter in Afrika

    Was kann ein Einzelner in der Entwicklungszusammenarbeit erreichen? Wie unternehmerisch kann ein Hilfsprojekt in Namibia betrieben werden? Und welche Rolle spielt Alter und Erfahrung beim Neustart?

    Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen dem Zugabe-Preisträger und Gründer der Stiftung steps for children Michael Hoppe und Matthias Rompel, Experte für das südliche Afrika bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ.

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    Afrika gehört nicht nur zu den ärmsten Regionen der Welt, sondern der Kontinent hat auch das höchste Bevölkerungswachstum und die jüngste Bevölkerung. Gleichzeitig ist Afrika schon jetzt am stärksten vom Klimawandel betroffen. 
    Der erfolgreiche Unternehmer Dr. Michael Hoppe war 58 Jahre alt, als er 2006 seine Stiftung steps for children gründete, um »etwas zurückzugeben« und »etwas Sinnstiftendes« in Afrika zu tun. Seitdem fördert er in mehreren Projekten in Namibia und Simbabwe die Bildung und Ausbildung von Kindern und jungen Erwachsenen und leistet mit Werkstätten und Nähstuben Hilfe zur Selbsthilfe. Die sogenannten Einkommen erzielenden steps sollen die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Menschen fördern und zur Finanzierung der sozialen Projekte beitragen.

    Aktuell jedoch ist Afrika von der andauernden Corona-Pandemie schwer getroffen: »Existierende Herausforderungen wie die andauernde Rezession in Namibia, die Jugendarbeitslosigkeit und die fehlende Bildung seien, so Afrikaexperte Rompel, durch Corona extrem verstärkt worden«. Durch den Lockdown sind die Einnahmequellen der Familien, die vor allem im Tourismus liegen, komplett weggebrochen, mit dramatischen Folgen für die Ernährungssituation der Bevölkerung. 

    Die Entwicklungserfolge von Jahrzehnten stehen auf dem Spiel, konstatieren beide Referenten. »Corona hat ganz langfristige Implikationen für unsere Projekte«, so Michael Hoppe, dessen Mitarbeiter/innen vor Ort im Lockdown die hungernden Kinder und Familien mit Essen versorgten. Die Vision, mit der Förderung von Kleinunternehmen, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, rücke angesichts der Covid-19-Krise in weite Ferne, so Hoppe. 

    Aber es sind die »kleinen Stellschrauben, die kleinen Schritte und Veränderungen«, die Hoppe als nachhaltige Erfolge seiner Stiftungsarbeit sieht. Zum Beispiel, dass Mädchen und Jungen aus seinen Schulen inzwischen das Abitur abgelegt haben und in Windhoek studieren.

    Der Bedeutung von kleinen zivilgesellschaftlichen Initiativen im Feld der Entwicklungszusammenarbeit räumte Matthias Rompel einen großen Stellenwert ein: Es seien die Macher und Visionäre wie Herr Hoppe, die mit der gewissen Vorbildfunktion bestimmte Anstöße geben können, auch Gleichgesinnte in Europa finden und zu Mitwirkern machen können.  

    »Ich habe als Unternehmer einfach weitergemacht«, beschrieb Michael Hoppe sein Stiftungs-Startup. »Mit Anfang Mitte 50 war das ein gutes Alter, noch mitten im Saft zu stehen, noch die Dynamik zu haben, um als Social Entrepreneur zu wirken.« Das Senioritätsprinzip, ergänzte Rompel, sei besonders in den afrikanischen Ländern weit verbreitet. Respekt und Demut vor den Älteren komme Herrn Hoppe also zugute. Für Hoppe sind es jedoch neben seinen Erfahrungen aus 30 Jahren Unternehmertum vor allem die Netzwerke, Förderer und Mithelfer/innen, die die Wirkung seiner »Zugabe« möglich machen.


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