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Zugabe-Preis: Shortlist 2019

68 Gründerinnen und Gründer 60plus mit vielfältigen Projekten sind ins Rennen um den Zugabe-Preis 2019 gestartet. Neben den vier Preisträgerinnen und Preisträgern haben es sechs Zugeberinnen und Zugeber auf die Shortlist 2019 geschafft:

Heinz Frey

DORV-Quartier gGmbH
Jülich

»Nicht nur reden, sondern handeln« lautet das Motto von Heinz Frey. Mit 58 Jahren wird der Gymnasiallehrer zum Sozialunternehmer, um mit der DORV-Quartier gGmbH Nahversorgung und Dienstleistungen in Dörfern und kleinen Gemeinden nachhaltig zu sichern. Die fünf Säulen Lebensmittel, Dienstleistungen, soziale und medizinische Dienste, Kommunikation und Kultur werden gemeinsam an einer Ladentheke vom gleichen Personal im Ortszentrum gebündelt angeboten. Jedes DORV/quartVier-Zentrum steht betriebswirtschaftlich auf eigenen Füßen. Bürger übernehmen dabei Verantwortung, Menschen gestalten ihre Zukunft selbst und können so selbstbestimmt lebenslang in der gewohnten sozialen Umgebung leben. Das 5-Säulenmodell und die DORV-Prinzipien-Methode sind explizit auf Übertragbarkeit angelegt.

Monika Kohut

GOLD WG – Leben mit Freunden
Neuried (bei München)

Monika Kohut glaubt fest daran, dass Wohngemeinschaften für Menschen ab 50 das Zukunftsmodell sind und zur Vermeidung von Einsamkeit, Armut und zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Alter beitragen können. Als sie im Alter von 60 Jahren selbst erlebt, wie schwierig sich die Suche nach einer geeigneten WG gestaltet, gründet sie 2017 das Unternehmen Gold WG. Es bietet Menschen der Generation 50plus, die an einer Wohn- oder Hausgemeinschaft interessiert sind, erstmals die Möglichkeit, mittels eines umfassenden Matchings passende Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu finden. Zudem bietet Gold WG weiterführende Betreuung an, z.B. Workshops mit psychologischer Supervision, Unterstützung bei der Immobiliensuche, juristische Beratung bei Miet- oder Kaufverträgen, Mediation der WGs oder auch die Vermittlung von Kurzzeitpflege.

Dirk Müller-Remus

auticon/Diversicon
Berlin

Dirk Müller-Remus arbeitet als Vorstand eines Medizintechnik-Unternehmens, als 2007 bei einem seiner Kinder Autismus diagnostiziert wird. In einer Selbsthilfegruppe trifft er gut ausgebildete Autisten, die dennoch alle arbeitslos sind. Diese Begegnung ist die Initialzündung für die Gründung des Unternehmens auticon. Müller-Remus Konzept orientiert sich an den besonderen Stärken von Autisten, die sich insbesondere in Mustererkennung, Präzision, Logik und Affinität zur Fehlersuche darstellen – alles Fähigkeiten, die in der IT-Branche gefragt sind. Das Unternehmen hat sich inzwischen im hart umkämpften Markt der IT-Beratung etabliert. Mit Diversicon gründete Dirk Müller-Remus 2017 ein weiteres Unternehmen, das Autisten mit Stärken außerhalb der IT bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt.

Professor Dr. Peter Ostendorf

Praxis ohne Grenzen
Hamburg

Wer krank ist, geht zum Arzt. Doch es gibt eine große Anzahl Menschen, die dies nicht können, da sie keine Krankenversicherung haben. Das Elend der nichtversicherten Patienten bewegt Peter Ostendorf 2013 im Alter von 75 Jahren zur Gründung der Praxis ohne Grenzen. Mit der Praxis für Menschen in Not, die kostenlos und auf Wunsch anonym von ehrenamtlichen Ärzten behandelt werden, möchte der auf Kardiologie und Onkologie spezialisierte Mediziner Ostendorf »der Gesellschaft etwas zurückgeben, was ich in seinem erfüllten Leben als Arzt selbst von der Medizin bekommen habe«. 45 Ärzte und 15 Krankenschwestern sowie Dolmetscher, Sozialberater und Studenten versorgen mehr als 5000 Patienten jährlich in der Praxis.

Otto Stender

MENTOR – Die Leselernhelfer
Hannover

Als der Buchhändler Otto Stender im Jahr 2003 mit 67 Jahren MENTOR gründet, will er nichts weniger als einen neuen Generationenvertrag zwischen lesenden Senioren und den Enkeln von Nichtlesern schaffen. Heute sind in ca. 200 Kommunen 14.000 Ehrenamtliche im Einsatz. 2008 gründet sich der Bundesverband mit heute 78 Vereinen. MENTOR setzt dort an, wo Bildungspolitik und Schulen an ihre Grenzen stoßen. Die meisten der Geförderten sind Migrantenkinder oder Kinder von Geflüchteten. Das 1:1 Prinzip, die persönliche Zuwendung, stärkt das Selbstbewusstsein und die Integration der Kinder, und das Lesen wird zum Schlüssel zu Bildungserfolg und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Evaluationen zeigen, dass die geförderten Kinder in allen Fächern mittlere bis große Fortschritte erzielen. Gleichzeitig fühlen sich die älteren Menschen als Mentoren gebraucht, kommunizieren mit der Enkelgeneration und pflegen neue Kontakte zu Mitstreitern.

Christine Worch

Kulturistenhoch2 – Stiftung Generationen-Zusammenhalt
Hamburg

Kulturistenhoch2 nutzt die verbindende Kraft von Kunst und Kultur, um von Altersarmut betroffenen Menschen Teilhabe zu gewähren. Christine Worch, die Initiatorin, ist fast 30 Jahre in der Wirtschaft tätig. Dann erkrankt ihr Vater an Demenz. Diese Erfahrung führt sie zu dem Entschluss, ihr berufliches Know-how künftig ausschließlich sozialen Projekten rund ums Alter zur Verfügung zu stellen. Ihre Kenntnisse im Marketing ergänzt sie durch eine Weiterbildung im Fundraising und entwickelt schließlich ein Projekt, das wirtschaftlich und körperlich eingeschränkten Seniorinnen und Senioren kostenlose Besuche von Kulturveranstaltungen ermöglicht. Begleitet werden sie dabei von Oberstufen-Schülerinnen und Schülern ab 16 Jahren aus ihrem jeweiligen Stadtteil. Neben dem Aufbrechen der Isolation und der Aktivierung älterer armer Menschen gelingt auch die Aktivierung junger Menschen. Auch die Welt der Jugendlichen verändert sich: Sie erfahren Selbstwirksamkeit, hinterfragen Sachverhalte, die ihnen zuvor unbekannt waren und werden politisiert.

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